![]() |
|
Die Unternehmen Dr. Hell und Dr.-Ing. Rudolf Hell GmbH |
|
|
2. Mai 1979: 50 Jahre Dr. Hell (Artikel aus "für uns alle" 01-1979) |
|
50 Jahre Firma Hell -ein
Grund zum Feiern?
Ganz gewiss. Es gab sogar vielfache Gründe dafür.
Schon allein die Tatsache, dass die Hell-Technik in diesen 50 Jahren
die gesamte Medienlandschaft entscheidend und revolutionär verändert
hat,
musste gefeiert
werden. Außerdem ist
es eine seltene
Fügung, wenn
der
Firmengründer,
der diese Entwicklung
vor 50 Jahren eingeleitet hat, an diesem
Tag
unter uns sein konnte. Zwar hat man sich zuerst ganz zurückhalten
wollen in Anlehnung an gegebene
Vorbilder, aber jede Firma
hat
ihre
Geschichte und jedes Firmenjubiläum seine spezielle Bedeutung.
Wie
gut, dass man sich entschlossen hatte, unser Jubiläum zu feiern
!
War
es
nun
wirklich unser Jubiläum?
"Unser", hieße dann doch,
dass wir
- die Mitarbeiter und die Leitung der Hell GmbH -
so
etwas wie einen
eigenen
Stil
hätten. Ich meine,
es
lohnt
sich, dieser Frage nachzugehen. Der Bericht über ein Firmenjubiläum
bietet eine seltene Gelegenheit dafür. Firma Hell - was verbirgt sich hinter diesem Namen? "Produkte, Menschen, Betriebsstätten und der Geist, der darin weht", so definierte Eberhard Freise, der Verfasser unserer kleinen, zum Jubiläum erschienenen Broschüre die Elemente, aus denen sich ein Firmenbild zusammensetzt. Mit dem Titel "Ein Firmenbild wird zerlegt" ( Untertitel "Eine Visitenkarte der Dr.-Ing. Rudolf Hell GmbH") entwarf Freise in einem 25-Seiten-Heft das Bild unserer Firma, so wie er sie sieht. Zwar trägt dieses Firmenportrait den individuellen Stempel des Verfassers, wie sich die Hell GmbH dort präsentiert, trifft aber auch das Bild und diese Meinung hört man allgemein in unserem Hause , das wir von uns und unserer Firma haben, dass wir nämlich ein Unternehmen sind, in dem viel dafür getan wird, um immer bessere Technik für mehr Anwender und größere Märkte produzieren und verkaufen zu können. Ein Weltunternehmen mit einer personalen Firmengeschichte, dessen Firmengründer durch sein persönliches Engagement seine Mitarbeiter für den technischen Fortschritt zu motivieren wusste. Ein Betrieb mit einer selten geradlinigen und konsequenten Entwicklung des Innovationsbereichs und seiner Produkte, denkt man an das heute noch gemeinsame technische Grundprinzip aller Hell-Geräte. Ein Unternehmen mit beachtlichen Erfolgen auf dem Weltmarkt. Ähnlich und doch anders war das Bild der Hell GmbH, das auf 4 Seiten "Kieler Nachrichten" der KN-Redakteur Bruno Bock im Boulevard-Presse-Stil ebenfalls anlässlich des Jubiläums gezeichnet hatte. Hier musste der Verfasser, um den Zeitungsleser zu interessieren, mehr auf den Putz hauen, jedenfalls mehr, als wir es sonst gewohnt sind. Andererseits war das auch eine Gelegenheit, weiter ausholen zu können, zwar weniger in der Erläuterung der Hell-Technik als vielmehr im Bericht über das Unternehmen, seine Geschichte, seine Leute und die Eingebundenheit im Kieler Raum. Sicher brachte das manchem unter uns auch neue Informationen, vor allem den Familien der Hell-Mitarbeiter. Das Jubiläum - ein wichtiger Tag in der Firmengeschichte Das Jubiläum selbst, der Tagesablauf und die Festveranstaltung am 2. Mai passten gut in den durch die beiden Jubiläums-Veröffentlichungen vorgegebenen Rahmen unseres Firmenbildes. Alle Mitarbeiter und unsere Rentner wurden am Morgen des Jubiläums mit der Nachricht überrascht, dass ihnen eine Sonderzuwendung überwiesen worden sei. Diese Mitteilung löste einen ungewöhnlichen Motivationsschub aus, sicher auch darum, weil diesmal die Firmentreue allein bewertet und damit vor allem der Mitarbeiter selbst gewürdigt wurde. Das Mittagessen im Lufthansa-Stil, das allen Betriebsangehörigen geboten wurde, brachte in die gute Stimmung noch einen kleinen Hauch der weiten Welt eine nette Idee, die zu einem Weltunternehmen gut passt. Ein paar Worte Dr. Hells, auf Tonband gesprochen, wurden während des Essens in die verschiedenen Räume übertragen. Er halte es sich nicht nehmen lassen, am Tage des Jubiläums wenigstens in dieser Form sich an seine Mitarbeiter zu wenden. Ihm schloss sich der Betriebsratsvorsitzende Wilhelm Wulf an, ebenfalls über Tonband und Lautsprecher. Sicher hätten wir alle Dr. Hell lieber persönlich gesehen und gehört - auch ihm wäre das viel lieber gewesen , aber die Größe des Unternehmens brachte es mit sich, dass in zwei Werken und in mehreren Schichten gegessen werden musste. Außerdem waren er und der Betriebsratsvorsitzende durch einen offiziellen Festakt gebunden, der gleichzeitig im Kasino des Werkes Dietrichsdorf stattfand. Festliche Veranstaltung Die Festliche Veranstaltung fand im Werk I in einem Kreis von rund 100 geladenen Gästen statt: Vertreter aus der Landespolitik, aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Freunde des Hauses und einige, vor allem ehemalige, langjährige Mitarbeiter. Aus den Grußworten und Ansprachen ergab sich erneut ein Firmenbild, das wir, wenn auch nur in knappen Zügen wiedergeben wollen, da die Mitarbeiter diese Veranstaltung nicht miterleben konnten. Dominierend in allen Reden war die Würdigung Dr. Hells und seiner Erfinder- und Unternehmerpersönlichkeit. Er war der eindeutige Mittelpunkt dieser Feierstunde, worüber er sich auch sichtlich freute. Doch gleichzeitig und ebenso deutlich versuchte er in seinen kurzen Beiträgen, die Geschäftserfolge auf die Leistungen seiner Mitarbeiter abzuleiten. Wohl mit Recht. Dennoch wird seine Person und seine Leistung immer im Vordergrund stehen, wenn es darum geht, unsere Firma zu beschreiben. Schon in den Grußworten des Ministerpräsidenten Dr. Stoltenberg klang dieses an, als er Dr. Hell einen "genialen Mann" nannte, dessen "Lebensleistung und Lebensweg ein hervorragendes Beispiel sei". Höhepunkt der Festlichen Veranstaltung war die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Kieler Universität an Dr. Hell durch Professor Kaltefleiter, den Vizepräsidenten der Universität. Dr. Hell, so führte Kaltefleiter aus, wurde als der "radikale Erneuerer" geehrt, der "Gutenberg zum alten Mann gemacht habe". Indem er sich ständig darum bemühte, neue Erkenntnisse in verständlicher Form zu übermitteln, habe Dr. Hell auf dem Gebiete der zwischen-menschlichen Kommunikation schon immer im Sinne der ureigensten Aufgabe der Universität gehandelt und sich "stets wie ein Universitätsbürger verhalten". Auch Professor Gumin, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der Hell GmbH, der als Vorstandsmitglied der Siemens AG deren Glückwünsche überbrachte, stellte vor allem Dr. Hells hohe Verdienste heraus. Er habe ihn, wie er sagte, "eines gelehrt, nämlich weniger die Technologie im Vordergrund zu sehen" als vielmehr die Frage: "Was haben die Anwender für Probleme und wie kann man diese lösen?" Technologie nie als Selbstzweck zu sehen, dieses wünsche er, sollte auch bei der Siemens AG ein Dauerthema bleiben. Die andere, ebenso wichtige Voraussetzung zum Erfolg sei Dr. Hells Fähigkeit," motivierte Mitarbeiter in seiner Umgebung zu finden", denn, so erläuterte Gumin weiter, "ein Mensch, der etwas bewegen will, braucht Mitarbeiter". Bei dieser Gelegenheit dankte er - und dieses nun vor allem als stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der Hell GmbH - allen Mitarbeitern und der Geschäftsleitung: "Was insbesondere in den letzten Jahren hier in Kiel entstanden ist, verdient auch unter Berücksichtigung internationaler Maßstäbe große Bewunderung. Sie haben etwas zustande gebracht", so fuhr er fort, "woran wir sogar bei der Siemens AG heute partiell arbeiten, nämlich große Marktanteile in Ländern zu erringen, die international als die Länder großer elektrotechnischer Märkte bekannt sind". Die USA, England, Japan, Frankreich nannte er als Beispiele. In der Zusammenarbeit mit Dr. Hell habe er, Gumin, gelernt, dass diese Erfolge im wesentlichen auf die Fähigkeit der Motivation der Mitarbeiter zurückzuführen seien. In diesem Zusammenhang wies Professor Gumin darauf hin, dass die Zusammenarbeit Dr. Hells mit der Siemens AG auch schon seit 50 Jahren bestehe, und er betonte, dass die große Siemens AG und die kleinere Hell GmbH "immer gut miteinander gekonnt" hätten. Er zitiere dieses Beispiel der guten Kooperation immer besonders gern, auch um gegen die falsche, leider sehr häufige Behauptung anzugehen, dass bei solchen Verbindungen die kleineren Gesellschaften benachteiligt würden. Ausschnitte aus der Firmengeschichte Anstelle der üblichen Festansprache eines Hauptredners hatte man bei der offiziellen Jubiläumsveranstaltung drei mit der Geschichte der Hell GmbH eng verbundene, inzwischen im Ruhestand befindliche Herren gebeten, aus ihrer Erinnerung über die Firmengeschichte zu sprechen. Dr. Wüsteney, ehemals Direktor der Siemens AG, der 1929 die ersten Kontakte zu Dr. Hell in Berlin geknüpft hat, berichtete über die Geschichte des Hell-Schreibers und erläuterte das technische Umfeld damals und heute. Mit sicherem Blick habe Dr. Hell schon bei seinem ersten Gerät die bestehenden Bedürfnisse erkannt und im richtigen Augenblick mit der entscheidenden Idee eine geeignete Technik entwickelt und sie schnell entschlossen zu realisieren gewusst. Die Anfänge der Hellfax-Geräte und welche Bedeutung sie für den Deutschen Wetterdienst bis heute haben, veranschaulichte Dr. Wüsthoff, der ehemalige Direktor des Deutschen Wetterdienstes. Er machte dabei deutlich, dass es "ein kühner Entschluss" gewesen sei, als Dr. Hell vor drei Jahrzehnten dem Wetterdienst auf seine Bitte hin zusagte, ein Übertragungsgerät für Wetterkarten zu liefern, was er dann auch sehr schnell in die Tat umsetzte. Der dritte Redner, Dipl.-Ing. Jørgen Muhle, ehemals Direktor der Dansk Siemens AB, sollte über die Zeit der ersten Klischographen berichten. In Wirklichkeit hat er aber mit rührendem persönlichem Engagement vor allem den "genialen Erfinder" Hell aus seinen Begegnungen mit ihm zu schildern versucht und seine Bewunderung darüber bekundet, welch einfacher technischer Mittel sich Dr. Hell bei seinen großartigen Geräten bedient habe. Neue Technik -neue Berufe -und wer übernimmt die Ausbildung? Zurück "zu den Realitäten unseres heutigen Geschäfts" brachte Geschäftsführer Dr. Fuchs die Versammlung. Er berichtete über die Ausbildungsprobleme der Nachwuchskräfte, denen im Bereich der Reproduktionstechnik die Schulung an elektronischen Geräten fehle. Die Hell GmbH schule für ihre Kunden in firmeneigenen Studios einen Großteil ihrer Fachkräfte. Allein hier in Kiel werden jährlich rund 200 Spezialisten extern ausgebildet. Da in drei Ausbildungszentren der deutschen Druckindustrie ein besonderes Fortbildungsprogramm für die Berufe Druckvorlagen- und Druckform-Hersteller geplant sei, habe die Hell GmbH das Firmenjubiläum zum Anlass genommen, an diese Ausbildungsstätten in Darmstadt, Düsseldorf und Stuttgart je einen Chromagraphen zu spenden, damit die Ausbildung an elektronischen Scannern möglich wird. Die drei Besitzurkunden überreichte Dr. Fuchs dem Vorsitzenden des Landesverbandes Druck Hessen, Roether, stellvertretend für den Bundesverband der Druckindustrie. In seinen Dankesworten versicherte Roether, dass durch dieses "Engagement nicht nur das Wissen um die Scan-Technik, sondern gerade das praktizierte Scannen weiterverbreitet und der z.Z. spärlich besetzte Berufsstand des Scanner-Operators sinnvoll vorangetrieben werde." Im Namen der Belegschaft Geschäftsführer Taudt beglückwünschte Dr. Hell zum Firmenjubiläum, das gleichzeitig sein persönliches Arbeitsjubiläum sei und dankte ihm im Namen der Belegschaft für seine großartige unternehmerische Leistung. dass es ihm gelungen sei, trotz der immer größer werdenden Zahl der Mitarbeiter "eine innere Bindung zu den Firmenangehörigen zu schaffen", bedeute den Mitarbeitern bis heute besonders viel. Die "persönliche Austrahlungskraft", seine bekannte Hilfsbereitschaft und seine "Kunst der Führung am langen Zügel", wodurch er die entscheidenden Kräfte zu mobilisieren verstand, das vor allem habe die Firma geprägt. Und dafür, dass Dr. Hell in weiser Vorausschau nun auch noch rechtzeitig das "Schicksal unserer Gemeinschaft in die Hände eines Großunternehmens gelegt habe", dafür gebühre ihm besondere Achtung und ein weiterer Dank der Belegschaft. Unser Jubiläum? War es nun wirklich unser Jubiläum? Bei über 2000 Leuten, unsere Rentner einbezogen, gehen die Meinungen darüber sicher auseinander. In das Bild aber, das wir nun mal von der Firma haben, dürfte sich der Jubiläumstag recht gut einfügen. Es war zwar spürbar, dass manche für den Stil des Hauses untypischen Kompromisse gemacht worden waren - dass z.B. keine gemeinsame Veranstaltung stattfand -, die Größe des Unternehmens brachte das aber mit sich, wohl auch in Anlehnung an Siemens. Da jeder Mitarbeiter persönlich gewürdigt und in verschiedener Form am Jubiläum selbst beteiligt worden war, blieb doch noch sehr viel Hell-Typisches zurück, wofür auch alle dankbar waren. Jedenfalls konnte man am 2. Mai vor allem dieses spüren - gleichwohl am Arbeitsplatz, unterwegs oder am Mittagstisch. Eine kleine Gruppe, zu der auch die Verfasserin dieses Berichts gehört, hat sich, motiviert durch den Jubiläumstag, am Abend noch recht fröhlich zusammengesetzt. Vielleicht ist auch das eine heute gemäße Form des Miteinanders in einem großen Betrieb. Sicher war es aber ein Beweis dafür, dass wir gern noch zusammenbleiben wollten am Tage unseres Jubiläums! |